18. Juni 2021

Der Tag danach: #BMGWOB

Der VfL Wolfsburg holt am Samstagabend einen Punkt bei Borussia Mönchengladbach – nicht wenige hätten diese Aussage vor Beginn der Partie blind unterschrieben. Und doch war am Ende sogar der Sieg drin für die Spieler von Trainer Oliver Glasner, lediglich eine Verkettung unglücklicher Umstände und das fehlende Quäntchen Glück im Abschluss verhinderten den ersten Saisonsieg der Wölfe schlussendlich. So muss man sich mit einem 1:1 (0:0)-Unentschieden begnügen.

Der Spielverlauf

Wille ist vorhanden und erkennbar, lediglich die Mittel fehlen, um offensiv Akzente setzen zu können. Unter diesem Motto ließe sich die erste Halbzeit aus Sicht der Wölfe zusammenfassen. Die Borussia zeigte sich in einigen Situation gefährlich vor dem VfL-Tor, wenn auch außer eines Pfostentreffers von Florian Neuhaus aus der 21. Minute keine weiteren Großchancen zu erwähnen sind. Die gefährlichsten Offensivaktionen der Wölfe verpufften meist an der Gladbacher Strafraumgrenze in Folge individueller Fehler oder versandeten als schlecht getimte Flanke im Seiten- oder Toraus. Eine bittere Erkenntnis der ersten Halbzeit ist die fehlende Präsenz im gegnerischen Strafraum. In den meisten Situationen ist es einzige und allein Wout Weghorst, der mit seiner zweifelsohne vorhandenen körperlichen Präsenz als Abnehmer einer Hereingaben in Frage käme. Diese fehlende Präsenz ist derzeit eines der gravierendsten Probleme unseres Offensivspiels. 

Eine weitere Baustelle ist die in einigen Szenen auffallende Lücke im Mittelfeld. Diese entsteht, da Schlager oftmals offensiv unterwegs ist und Arnold & Guilavogui eher sich eher defensiv orientieren und dadurch eher tief stehen. In diesem Raum fehlt es über eine kurze, aber wichtige Sequenz an Druck auf den Ballführenden Gegner, welche die folgende Offensivaktion in aller Ruhe planen kann. 

Die zweite Halbzeit ließ nichts gutes vermuten, betrachtet man den katastrophalen Spielaufbau von Jay Brooks unmittelbar nach Anstoß – ein halbhoher Ball ins Seitenaus. Doch die Wölfe steigerten sich mit fortschreitender Spieldauer immer mehr. Zwei sehr gute Chancen konnten Arnold und Baku unmittelbar nacheinander sowie Brekalo nur wenige Minute später nicht im Gladbacher Tor unterbringen (62. & 66. Minute). Der VfL war über weite Strecken der zweiten Halbzeit die klar bessere Mannschaft und hätte sich einen Treffer redlich verdient. Doch ein individueller Fehler von Lacroix brachte Keeper Casteels in ein Eins gegen Eins-Duell mit Thuram, in welchem Schiedsrichter Daniel Schlager einen strafwürdiges Foul des Wölfe-Keepers sah – Elfmeter für die Borussia. Jonas Hoffmann verwandelte mit der ersten Offensivaktion der Gastgeber in Halbzeit zwei zum 1:0 (78.).

Den verdienten Ausgleich besorgte der sonst eher blasse Wout Weghorst nach Vorarbeit vom starken Ridle Baku in der 85. Minute. Frei vor Keeper Sommer schob der Niederländer gekonnt zum 1:1 ein. Letztlich auch der Endstand.

Analyse

Schauen wir uns die Partie #BMGWOB noch einmal etwas genauer an und fokussieren uns hierbei auf die Probleme im Wolfsburger-Spiel. Diese Baustellen konnte man nicht nur im Spiel gegen Gladbach beobachten, sie kennzeichnen unser Spiel schon über einen längeren Zeitraum und bieten sich daher für eine kleine Analyse an.

Präsenz – Präwas?

Das erste Problem ist die oben bereits angesprochene fehlende Präsenz im gegnerischen Strafraum. Besonders passend lässt sich dieses Problem anhand der unterschiedlichen Halbzeiten verdeutlichen. In der ersten Hälfte des Spiels versandeten einige Hereingaben und scharfe Pässe in den Sechzehner im Seiten- oder Toraus. Nicht zuletzt, da die einzige Anspielstation häufig Wout Weghorst war. Sowohl Brekalo als auch Mehmedi klebten auf den beiden Flügelpositionen, schafften dadurch natürlich auch Raum im Zentrum, dennoch fehlten alternative Abnehmer im Strafraum und limitierten unser Offensivspiel somit erheblich. Auch der sonst eher offensiv orientierte Schlager fand zu selten oder zu spät den Weg in die Box, um Weghorst zu unterstützen und sich als Alternative den Passgebern anbieten zu können. 

Anders in Halbzeit zwei: die für Wolfsburger Verhältnisse zahllosen Torchancen konnten auch durch eine erhöhte Präsenz in und um den gegnerischen Strafraum erzwungen werden. Es handelte sich nicht unbedingt um traumhafte Spielzüge, dennoch konnte man Gladbach zu Fehlern zwingen und hatte unmittelbar im Anschluss mehrere Alternativen im Strafraum des Gegners. Auch die hohen Außenverteidiger schalteten sich energischer in das eigene Offensivspiel mit ein und drangen mehrfach in den Strafraum der Gladbacher ein, vor allem Ridle Baku zeigte hier ein ums andere Mal gute Ansätze. Das Problem der Präsenz im eigenen Offensivspiel hängt zweifelsohne auch von Weghorst ab. Gelingt es ihm und seinen Mitspieler Chancen zu kreieren, die der Niederländer auch ohne Unterstützung im Strafraum verwerten kann, fragt am Ende niemand mehr nach Alternativen im Offensivspiel. Doch besonders die ersten Spiele haben gezeigt, wie eine Mannschaft spielt, die in der Tor-Erzielung von einem Spieler abhängig ist: es fallen keine bzw. Sehr wenige. 

Unglückliche Umstände & falsche Entscheidungen

Die zweite Baustelle sind die Verkettung unglücklicher Umstände und das Treffen falscher Entscheidungen. In der ersten Hälfte der Partie tat sich vor allem Josip Brekalo mehrfach die grüne Wiese vor ihm auf und lud ihn zu einem schnellen Tempogegenstoß ein. Doch in jeder dieser Situationen zeigte sich der Kroate entweder zu eigensinnig oder konnte sich erst zu spät vom Spielgerät trennen. Zweifelsohne ist das Selbstvertrauen für jeden Spieler unabdingbar, doch gehört es auch zur Klasse eines Spielers zu wissen, wann er sich im Sinne des Teamerfolgs vom Ball zu trennen hat. In der ersten Halbzeit konnte man ein häufiges Bild beobachten: 

Ballgewinn im Mittelfeld —> langer Lauf mit Ball Richtung Tor —> Tempoverzögerung/ungenaues Zuspiel —> passender Moment des Abspiels verpasst —> Ballverlust/Rückpass —> Chance vertan. 

Diese fehlende Qualität, im richtigen Momente die richtigen Entscheidungen treffen zu können, konnte besonders gut in der ersten Hälfte beobachtet werden. In der zweiten Halbzeit konnte man oben beschriebenes Schema zwar auch noch in manchen Situationen erkennen, dennoch verstanden es die Spieler besser, sich im richtigen Moment vom Ball zu lösen oder erkannten sich bietende Räume schneller. Hieraus resultierte eine enorm verbesserte zweite Halbzeit, in der Mann Borussia Mönchengladbach prinzipiell die gesamten 45 Minuten kontrollierte. Leider nur prinzipiell. 

Der Gegentreffer zum 1:0 und dessen Entstehungsgeschichte bringen uns zu einem weiteren, eher unregelmäßig auftretenden Problem: die Verkettung unglücklicher Umstände zu Lasten des VfL. Eingeleitet wird die Situation am Strafraum der Gladbacher. Maximilian Arnold kann einen Ball nicht zum unmittelbar neben ihm postierten Mitspieler befördern, sodass die Gladbacher einen Konter fahren können. Die Situation scheint bereinigt, doch Neuzugang Lacroix leistet sich mit einem zu kurz geratenen Rückpass auf Casteels seinen einzigen Fehler in dieser Partie  – einen entscheidenden zu allem Überfluss. Es sollte klar sein, dass es hierbei nicht um den Fehler als solches geht, dies sollte man besonders einem jungen Spieler wie Lacroix durchaus zugestehen. Primär geht es um die äußerst unglückliche Verkettung noch unglücklicherer Umstände, die zum einzigen Gegentreffer am Samstagabend führen. Der einzige Fehler von Lacroix, einer der wenigen Fehlpässe von Arnold – leider ein unglücklicher Umstand zu viel. Doch wie diese Baustelle schließen? Im Vordergrund dürfte hier ruhige und konstante Trainingsarbeit stehen, die Verinnerlichung von Laufwegen, von Prozessen. Über die Routine kommt die Sicherheit und somit auch das Minimieren individueller Fehler.

Am Ende kann man festhalten, dass mit einem Quäntchen mehr Glück und etwas mehr Fortune im Abschluss, durchaus Drei Punkte am Niederrhein für die Wölfe zu holen waren. So muss ,an sich mit dem vierten Remis im vierten Spiel begnügen, kann jedoch mit der gezeigten Leistung, vor allem aus Halbzeit zwei, zufrieden sein und diese als Grundlage für die kommenden Begegnungen nehmen. Mit etwas weniger unglücklichen Umständen und etwas mehr Präsenz im gegnerischen Strafraum ist auch der erste Saisonsieg nicht mehr weit entfernt. 

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