18. Juni 2021

Gegnervorschau: #BSCWOB

Am Sonntag ab 18 Uhr wird die Berliner Hertha gemeinsam mit dem VfL den 6. Spieltag der Fußball Bundesliga abschließen. Am Spielfeldrand in Berlin wird ein altbekanntes Gesicht stehen: seit Frühjahr 2020 trainiert Ex-Wolf Bruno Labbadia mittlerweile die alte Dame. Am Wochenende also das erstmalige Wiedersehen mit dem Ex-Trainer, sowohl für die Mannschaft als auch für Platzhirsch Jörg Schmadtke. Es scheint ein offenes Geheimnis zu sein, dass die Zusammenarbeit mit Labbadia im Sommer 2019 nicht zuletzt aufgrund des angespannten Verhältnisses der beiden nicht fortgesetzt wurde. Da helfen auch die gebetsmühlenartigen Vorträge Schmadtkes nicht, dass „kein Problem mit Labbadia“ bestünde (AZ-Sportbuzzer, 28.10.2020). Doch fokussieren wir uns fortan auf den sportlichen Wert der Partie. 

Hertha BSC Berlin

Die Herthaner sind alles andere als optimal in die neue Saison gestartet. Gleich zu Anfang setzte es ein überraschendes Pokal-Aus bei der Braunschweiger Eintracht (4:5), bei dem vor allem die Defensive der Berliner keine gute Figur abgab. Hoffnung machte jedoch das erste Ligaspiel gegen schwache Bremer (4:1), doch währte diese Hoffnung nur von kurzer Dauer: die anschließenden vier Begegnungen verlor man allesamt. Ansprechende Leistungen zeigte man in diesen Spielen vor allem gegen Bayern (3:4) und Leipzig (1:2), während man im Heimspiel gegen Stuttgart auf ganzer Linie enttäuschte. Und so gleicht Herthas Saisonstart eine Achterbahnfahrt zwischen Euphorie und Ernüchterung. Nach fünf Spielen rangiert man auf dem 15. Platz und droht den Anschluss an die viel zitierten Europapokal-Plätze bereits früh zu verlieren. Die Begegnung gegen die Wölfe scheint den Charakter eines „Sechs-Punkte-Spiels“ einzunehmen. Gewinnt man, kann man einem kompletten Fehlstart in letzter Sekunde noch von der Schippe springen; im Falle einer Niederlage wird der Berliner Wille nach sportlicher Kontinuität bereits früh in der Saison auf eine harte Probe gestellt – auch Labbadia müsste sich dann wahrscheinlich schnell Antworten auf ungemütliche Fragen einfallen lassen.   

Der Kader

#BigCityClub – eine der prägnantesten Beschreibungen des sportlichen und wirtschaftlichen Vorhabens des Hauptstadtklubs. Krampfhaft versucht man im Berliner Umfeld eine Euphorie zu entfachen rundum die sonst eher graue Maus Hertha BSC. Die Millionen sind mittlerweile dank Lars Windhorst auch vorhanden, schlicht die Identifikation scheint noch ein Wenig auf der Strecke zu bleiben – in Zeiten von Corona sicherlich auch nicht ganz einfach. Doch für was will Hertha BSC zukünftig stehen? Schaut man sich den Kader an, kann man einen klaren Plan erkennen.   

Mit Cordoba vom 1. FC Köln holte man im Sommer eine sinnvolle Ergänzung zu den schnellen Lukebakio und Cunha. Von der Bank kann ein Piatek immer für Gefahr sorgen. Auch das Mittelfeld kann sich sehen lassen: mit Tousart und Darida haben die Berliner zwei lauf- und zweikampfstarke Spieler in ihren eigenen Reihen. Ergänzt wird die Mittelfeldachse im Spiel gegen die Wölfe aller Voraussicht nach um Matteo Guendouzi, Leihgabe vom FC Arsenal London, welcher nach überstandener COVID-19 Infektion sei lag ersehntes Debüt feiern dürfte. Defensiv hat man sich mit Zeefuik einen schnellen Außenverteidiger sichern können, der Holländer hatte bisher jedoch noch etwas mit der Umstellung von den Niederlanden nach Deutschland zu kämpfen. Gegen unseren VfL wird der Niederländer das Spiel jedoch vor dem Bildschirm verfolgen müssen, fehlt er schließlich gelb-rot gesperrt. Das Berliner Tor hütet seit dieser Saison Neuzugang Alexander Schwolow. Viel zu lachen hatte der ehemalige Freiburger bisher jedoch noch nicht, stellen die Berliner mit 12 Gegentreffern die dritt schlechteste Defensive der Liga. 

Taktisch bleibt sich Labbadia auf dem Papier nicht unbedingt treu im Vergleich zu seiner Zeit bei den Wölfen. Bisher setzten die Berliner stets auf ein 4-4-2-System mit Raute im Mittelfeld und Cunha als Zehner hinter den beiden Stürmern Lukebakio und Cordoba. Gut möglich scheint auch ein Wechsel zum 4-3-3 mit dem bekanten Offensiv-trio in der vordersten Reihe und einer Mittelfeldachse um Tousart, Darida und Guendouzi. Der im Mittelfeld eingesetzte Stark könnte in die Innenverteidigung rücken und Alderete ersetzen. 

Eindruck & Form

Es fehlt bei den Berlinern in erster Linie an Zeit. Die Mannschaft ist während einer schwierigen Zeit für alle Vereine unter einem neuen Trainer zusammengekommen und kann noch nicht zwingend alle Automatismen und Laufwege verinnerlicht haben. Besonders die Neuzugänge um Cordoba, Tousart und Guendouzi müssen erst einen Rhythmus entwickeln. Auf dem Papier hat sich Hertha in nur zwei Transferperioden enorm verstärkt und dies in Ansätzen auch bereits zeigen können. Jetzt heißt es den eingeschlagenen Weg ruhig und besonnen weiter zu gehen und Punkte zu sammeln, um den ersten Druck von der Mannschaft zu nehmen. Bleiben die Erfolgserlebnisse aus, wird sich zeigen, wie viel Kontinuität von den Berliner Verantwortlichen auf der Trainerbank tatsächlich gelebt wird. In jedem Fall ist die Begegnung mit den Wölfen ein extrem wichtiges Spiel – der Ausgang der Partie kann als erster Fingerzeig gewertet werden, wo die Reise in dieser Saison hingehe könnte. Aus Wolfsburger Sicht kann mit dem Berliner Aufschwung jedoch noch gern eine Woche abgewartet werden…   

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