18. Juni 2021

Gegnervorschau: #S04WOB

Wenn der Tabellen-Sechste zum Vorletzten fährt, scheint eher die Frage nach der Höhe des Sieges eine Rolle zu spielen, als die eigentliche Suche nach einem Sieger. So auch vor dem Duell der Wölfe in Gelsenkirchen gegen den FC Schalke 04. Mit mageren drei Punkten aus den ersten sieben Spielen, sage und schreibe 23 sieglosen Schalker Spielen und einem frühzeitigen Trainerwechsel sind die Knappen denkbar ungünstig in die neue Saison gestartet und konnten den vor allem seit der Rückrunde 2019/20 anhaltenden Abwärtstrend nicht stoppen. Woran es Schalke vermeintlich fehlt und welche Chancen sich die Knappen in dieser Spielzeit noch ausrechnen dürfen, wollen wir nun ein wenig beleuchten. 

23 Mal ohne Sieg

Wir schreiben den 17. Januar 2020, die Corona-Krise ist ein noch weit entferntes Problem der Chinesen, der 18. Spieltag der Bundesliga wird auch an diesem Wochenende wieder Hundertausende Fans in die Stadien locken und in der Tagesschau fällt kein einziges Mal das Wort „Corona“ – Szenen und Fakten, die wie aus einer anderen Zeit daherkommen. Viel mehr noch sollte uns und vor allem den Schalker Fans dieser Tag jedoch deshalb in Erinnerung bleiben, als dass die Knappen an jenem Freitagabend mit einem 2:0-Heimsieg über Mönchengladbach den für bisher 23 Spiele letzten Bundesliga-Sieg bejubeln dürfen. Zu diesem Zeitpunkt sicherlich wie so viele Entwicklungen in 2020 völlig undenkbar. 

Gewinnt man in 16 Rückrundenspielen kein einziges, steht normalerweise am Ende der Saison der Abstieg zu Buche. Einzig und allein ihrer passablen Hinrunde haben es die Schalker zu verdanken, auch in dieser Saison gegen den VfL spielen zu dürfen. Doch wie konnte es so weit kommen? Wie konnte der einst so große FC Schalke 04 zu einem jämmerlichen Haufen sportlicher Bedeutungslosigkeit verkommen?  

Nie ohne Streit

In der Außendarstellung kommt Schalke selten gut weg (gewisse Schreiberlinge mit dem Hang zum Fanatismus und Namensvetter des ehemaligen „Wetten, dass…?“ Moderator Thomas Gottschalk an dieser Stelle einmal ausgenommen): glaubt man es könne Ruhe einkehren am Schalker Feld, taucht das nächste Thema auf und die Medienschelte geht von vorne los. In Ruhe und Gelassenheit und zur Abwechslung unbeachtet sportlich ausbleibender Triumphzüge, konnten in Gelsenkirchen zuletzt nur sehr wenige Trainer arbeiten. Eine produktive Arbeitsatmosphäre sieht für (mich als) Außenstehende(r) anders aus. 

Der Kader

Der FC Schalke 04 steht für mich immer noch für Lincoln, Bordon, Kristajic, auch Heiko Westermann, Ebbe Sand, ja sogar Spieler wie Edu oder Ailton haben einen bleibenderen Eindruck hinterlassen, als ein einziger Spieler der jetzigen Profimannschaft. Es fehlt dem Kader an Profil, an einer Balance aus entwicklungsfähiger Jugend und erfahrenen Veteranen. Oder doch nicht? Prinzipiell zählt die Durchlässigkeit der Schalker Jugendabteilung zu einer der höchsten in ganz Deutschland (hier kann sich der VfL gerne etwas abgucken), dennoch scheint man diesen hoch talentierten Jugendspielern keinen adäquaten Entwicklungsrahmen zu geben. Es fehlt ein erkennbares, qualitativ hochwertiges Grundgerüst an erfahrenen Spielern, die in schwierigen Zeiten eben jene jungen Spieler an die Hand nehmen können und so auch für die Jugendspieler eine Vorbildfunktion einnehmen können. Stattdessen scheint der Schalker Kader von eher Selbstbezogenen Spielern geprägt zu sein – einen geborenen Leader könnte man mit Wohlwollen in Stambouli oder Nastasic ausmachen. Aber wie gesagt: mit Wohlwollen. 

Schalke 04 unter Manuel Baum

Unter dem neuen Trainer Manuel Baum konnte sich Schalke zuletzt zumindest stabilisieren und den freien Fall vorerst stoppen, wenn auch mühsam mit einem 2:2-Uentschieden gegen Mainz 05. Der ehemalige Augsburger Cheftrainer Baum wählte gegen die Mainzer eine 
5-1-3-1-Formation. Hiermit war der Auftrag klar: über eine defensive Geschlossenheit zunächst Spielkontrolle erlangen und der stark verunsicherten Mannschaft wieder eine Linie geben. Das klappte, nun ja, eher mit mäßigem Erfolg. Bereits nach sechs Minuten lagen die Knappen in Rückstand, rappelten sich jedoch auf und schlugen durch Uths klasse Freistoß zurück. Auch vom nächsten Nackenschlag kurz vor der Pause (1:2, Elfmeter) erholten sich die Schalker und zeigten eine über weite Strecken passable Partie. Schlussendlich sinnbildlich für die derzeitige Situation musste ein Mainzer Eigentor herhalten, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Dennoch bot die Mannshaft von Trainer Baum einen Auftritt an, auf den es sich lohnt aufzubauen. 

Form & Prognose

Schalke muss schleunigst eine neue Siegermentalität entfachen. Bleiben Siege auch in Zukunft Mangelware und verpufft der Trainerwechsel-Effekt wirkungslos, muss man auf Schalke zweigleisig planen und auch Auswärtsspiele in Bochum oder Sandhausen in Betracht ziehen. Dennoch bleiben die Knappen für die Wölfe so etwas wie eine Wundertüte. Trainer Manuel Baum konnte während der Länderspielpause erstmals intensiv mit einem Großteil des Kaders arbeiten und sein Verständnis von Fußball deutlich machen. Alles in allem zeigen die Uhren in Gelsenkirchen eher fünf nach zwölf und mit dem Siegen wird am besten sofort begonnen. 

Was wir dem VfL am kommenden Samstag auf Schalke zutrauen, erfahrt ihr in unserer VfL-Vorschau am Freitag, ab 07 Uhr online für euch verfügbar!

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