18. Juni 2021

Rückblick: #SCFWOB

Der VfL konnte am Sonntagabend aus Freiburg einen Punkt entführen, auch wenn die Art und Weise Fragen aufwerfen dürfte. Am Ende steht für die Wölfe ein glückliches 1:1 (1:1)-Unentschieden zu Buche, nicht zuletzt dank Freiburger Chancenwucher. Mit Blick auf das wichtige Spiel in Athen bleibt wohl nur Zeit für ausreichend Regeneration, auch wenn die Mannschaft noch zahlreiche, teilweise simpelste spielerische Defizite offenbarte. 

Spielbericht

Wölfe Trainer Oliver Glasner schmiss im Breisgau die Rotationsmaschine an. Auf insgesamt acht Positionen veränderte der Österreicher seine Mannschaft im Vergleich zum EL-Quali Spiel gegen Desna unter der Woche: Statt Steffen, Lacroix, Rousillion, Schlager, Marmoush, Mehmedi und Weghorst (alle Bank) starteten Klaus, Brooks, Otavio, Gerhardt, Brekalo, Malli und Ginczek. Den kurz vor dem Aufwärmen ausgefallenen Casteels ersetzte Pervan. Ein klarer Fingerzeig in Richtung des bevorstehenden Europa League Duells mit AEK Athen. 

Die ersten Minuten gehörten klar dem VfL, gleich drei aussichtsreiche Torschüsse zählten die Statistiker, doch Arnold, Ginczek und Victor konnten die sich bietenden Chancen nicht in Tore ummünzen. Nach nur elf Minuten erteilte der Sportclub den Wölfen dann eine Lektion in puncto Effizienz: nach einer Grifo-Ecke musste Nils Petersen am kurzen Pfosten nur noch einnicken – sowohl Jay Brooks als auch Keeper Servan machten in dieser Situation keine allzu glückliche Figur. Infolgedessen verloren die Mannen von Oliver Glasner den Faden und agierten in einigen Zweikämpfen zu ungestüm und kassierten so gleich drei Gelbe Karten, wohlgemerkt innerhalb von nur drei Minuten (32.). Die Freiburger konnten kurz zuvor eine exzellente Freistoßposition nicht nutzen (25.), sodass die beste Nachrichte für die Wölfe kurz vor Ende der ersten Halbzeit das Ergebnis war. In der 42. Minute bot sich nach längerer Zeit dem VfL wieder eine Chance auf den Ausgleich: Maximilian Arnold wurde 18 Meter vor dem Tor der Freiburger zu Fall gebracht. Den fälligen Freistoß nagelte Josip Brekalo mit freundlicher Unterstützung eines Freiburger Abwehrspielers unter die Latte – 1:1 und der erste Treffer der Wölfe in der neuen Bundesligasaison! Ein durchaus leistungsgerechtes Halbzeitergebnis, gehörte doch vor allem die Anfangsphase klar den Wölfen.

Die zweite Halbzeit startete alles andere als gut für den VfL, als in der 49. Minute Joao Victor verletzungsbedingt den Platz verlassen musste. Renato Steffen ersetzte den Brasilianer. Fußballerisch gehörte die zweite Hälfte deutlich dem Sportclub. Ein Aluminiumtreffer (64.) und ein Kopfball nach einer Ecke von Neuzugang Santamaria (77.) sowie eine Schusschance des Franzosen im Dress der Freiburger finden den Weg nicht in das Tor der Wölfe. Eine der wenigen Chancen auf einen Wölfe-Treffer vergaben die eingewechselten Rousillion und Weghorst im Verbund in der 80. Minute, als der Franzose über links in den gegnerischen Strafraum eindringt und eine zu scharfe Flanke für Weghorst produziert – es wäre eine höchst schmeichelhafte Führung gewesen. 

Die Riesenchance auf den Freiburger Heimsieg leitet zu allem Überfluss ebenfalls Torjäger Weghorst unfreiwillig ein: einen für Torwart Pervan gedachten Ball knapp zehn Meter hinter der Mittellinie verhungert auf halber Strecke und findet den völlig frei stehenden Lukas Höler. Dieser kann den Ball aufnehmen und Pervan eigentlich fragen, wo er das Spielgerät hin haben möchte. Doch scheinbar völlig überrascht von der Situation gerät Freiburgs Nummer 9 ins Stocken und kann in letzter Sekunde von Guilavogui und Pervan abgedrängt werden. Freiburgs Effizienz aus dem Stuttgart-Spiel hätte heute für die Wölfe zu einem bösen Erwachen führen können. Schlussendlich bleibt es bei dem für den VfL mehr als schmeichelhaften 1:1-Unentschieden. 

Das VfL-Spiel

Eine fragwürdige Leistung bringt dem VfL einen Punkt ein. Die auf insgesamt acht Positionen runderneuerte Startelf wirkte über nahezu die komplette Spieldauer nicht eingespielt, ein schwaches Passspiel und fehlende offensive Durchschlagskraft komplettierten einen biederen Wölfe-Auftritt im Breisgau. Besonders der signifikante qualitative Unterschied zwischen der vermeintlich ersten und zweiten Garde bereitet Anlass zur Sorge. Nicht zu verschweigen sind sicherlich die hohe Belastung in den letzten 14 Tagen mit fünf Spielen, doch qualifiziert man sich für die Europa League Gruppenphase, wird diese Belastung nicht unbedingt geringer ausfallen. Der Kader scheint mit seinen 26 Spielern zu dünn für eine ausgewogene Belastungssteuerung, schließlich müssen auch in Freiburg Spieler wie Weghorst, Mehmedi, Schlager oder Rousillion eingewechselt werden, um auch nur annähernd die Chance auf den Sieg zu wahren. Im Hinblick auf das Spiel in Athen am Donnerstag lässt einen die gezeigte Leistung gegen Freiburg nur bedingt auf das Erreichen der Gruppenphase hoffen, zu bieder und zu schwach wirkte das Auftreten der Mannschaft. Die erneut angekündigten Transfers lassen bereits lange auf sich warten, sodass es schwer vorstellbar scheint, die Mannschaft in der Kürze der Zeit noch auf zwei, drei oder sogar vier Positionen qualitativ aber auch quantitativ zu verstärken. 

Im Sturm hängt Weghorst Back-up Ginczek seit Monaten in der Luft, ein temporeicher Spieler fehlt in diesem Mannschaftsteil ohnehin seit mehreren Jahren. Das einstige Überangebot im Mittelfeld täuscht über qualitative Schwächen von Spielern wie Schlager oder Gerhardt hinweg und die Ausfälle in der Defensive werden nicht nur durch einen Baku-Transfer gelöst. Außer auf der Torwartposition scheinen die Wölfe noch in allen Mannschaftsbereichen Lücken zu besitzen, ob diese jedoch noch in dieser Transferperiode gefüllt werden, machen die Verantwortlichen möglicherweise auch von dem Duell am Donnerstag abhängig. Es bleibt spannend. 

Weiter geht es auf „Nummer 9“ am Mittwoch mit der Vorschau für das Spiel #AEKWOB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.