20. September 2021

Vorschau: #AEKWOB

„Athen, Sparta(k) und Carrera“ 

Am Donnerstag bestreitet der VfL sein bislang wichtigstes Saisonspiel: in den Play-Offs der Europa League Qualifikation geht es gegen den griechischen Vertreter AEK Athen. Ein Sieg und die Wölfe spielen zum zweiten Mal in Folge in der Europa League Gruppenphase – doch was erwartet die Mannschaft am Donnerstagabend (Anstoß: 20:45 Uhr/live @ Sport1) in der griechischen Hauptstadt? Wir stellen euch den zwölfmaligen griechischen Meister etwas genauer vor. Außerdem werfen wir einen Blick auf die angespannte Personalsituation unseres Teams. 

Erstmals Griechenland: AEK Athen

Zum ersten Mal reist der VfL Wolfsburg für ein Pflichtspiel nach Griechenland, in diesem Fall sogar in die griechische Hauptstadt Athen. Zweifelsohne unter der Vernachlässigung der derzeitigen Corona-Situation eine besonders für die Fans ereignisreiche Reise, stellt der Trip für den VfL in diesen Zeiten jedoch vor allem einen weiteren, belastungsreichen Ausflug dar. Doch will man die Gruppenhase erreichen, muss AEK geschlagen werden. Doch wie begegnet man einer der griechischen Spitzenteams am besten? 

Um Athen taktisch zu analysieren, ist ein Blick auf die Trainerbank hilfreich. Hier sitzt seit Dezember 2019 der Italiener Massimo Carrera, 56 Jahre alt, der bisher vor allem als Interimstrainer- bzw. Techniktrainer in Italien (Juventus Turin & Nationalmannschaft Italiens) und Cheftrainer von Spartak Moskau (87 Spiele) in Erscheinung getreten ist. Anders als man es früher von  italienischen Trainer gewöhnt war, lässt Carrera bevorzugt im offensiven 4-3-3 spielen.  Also keine Angst vor einer schier unüberwindbaren defensiven Fünferkette, die bei eigenem Ballbesitz zu einer Dreierkette wird. Besonders die Offensive Athens kann an guten Tagen die gegnerische Defensive ordentlich unter Druck setzen, spielen hier mit Stürmer Nelson Oliveira (ehemals Norwich & Benfica) und dem Kroaten Marko Livaja (u.a. UD Las Palmas & Atalanta) international nicht nur Insidern bekannte Spieler eine Schlüsselrolle. Auch aus dem Mittelfeld kann mit Kapitän Petros Mantalos oder Nenad Krsticic einerseits offensive Gefahr entstehen, andererseits zeichnet beide Spieler eine international notwendige Robustheit aus, die sich nicht selten in Fouls und gelben Katen widerspiegelt. Im 4-3-3 wird AEK versuchen, vor allem seine Flügel in aussichtsreiche Positionen bringen zu können, um Stürmer Oliveira oder die aufgerückten Mittelfeldspieler mit Flanken zu bedienen. 

In ihrem Europa League-Quali Spiel gegen den FC St. Gallen am vergangenen Donnerstag sorgte AEK für einige gefährliche Offensivaktionen, doch in diesem Spiel wurde auch deutlich, dass die Griechen defensiv noch einige Lücken offenbarten. Die letzte Linie wurde ein ums andere mal von den Schweizern überspielt, sodass sich einige Torchancen boten. Letztlich scheiterten die St. Gallener im Abschluss entweder an sich selbst oder am griechischen Schlussmann Tsintotas. Erst ein äußerst fragwürdiger Foulelfmeter, der in der zweiten Hälfte der Partie von Stürmer Oliveira erst im Nachschuss verwandelt werden konnte, leitete den Auswärtssieg für AEK ein. Nicht zuletzt der während der laufenden Transferperiode getätigte personelle Umbruch bei AEK dürfte für eine noch nicht gänzlich eingespielte Mannschaft sorgen. Insgesamt 15 Spieler schlossen sich dem ehemaligen griechischen Meister zu Beginn der neuen Saison an, während auf der anderen Seite auch zwölf Spieler die griechische Hauptstadt verließen, darunter der Torwart Vasilios Barkas, der für 5 Millionen Euro nach Schottland zu Celtic Glasgow wechselte. 

Die im Spiel gegen St. Gallen fehlende defensive Stabilität Athens dürfte einer der Schlüssel für das Weiterkommen der Wölfe sein, auch wenn AEK in dieser Saison erst einen Gegentreffer hinnehmen musste. Die sich den Wölfen bietenden Chancen müssen, anders als in den Spielen der jüngeren Vergangenheit, eiskalt genutzt werden, um einen lang offenen Schlagabtausch möglichst zu verhindern. Denn wittert die kampfstarke Truppe von Trainer Carrera (eine Verbindung in die Modellauto Branche ließ sich im Zuge der Recherchen nicht ausschließen) eine Chance auf das Weiterkommen und präsentiert sich der VfL defensiv ähnlich löchrig wie in Freiburg, könnte es ein ungemütlicher Abend für die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner werden. 

Letztlich dürfte auch die Tagesform ein Rolle spielen, da auch in den Play-Offs das Weiterkommen von einem einzigen Spiel abhängt – Ausrutscher für beide Teams verboten! AEK wird ein erster Gradmesser für unsere Wölfe. Spielerisch sollte sich die Mannschaft auf Augenhöhe mit den Griechen befinden, eventuell sogar ein klein wenig die Favoritenrolle innehaben, doch in einem Spiel scheint stets alles möglich. 

Der VfL

Die größte Baustelle, neben den unübersehbaren spielerischen Hürden, ist nach wie vor der nicht ausbalancierte Kader. Auf manchen Positionen tummeln sich für zwei vakante Positionen fünf potenzielle Stammspieler, für andere Mannschaftsteile müssen ehemalige Offensivspieler umgeschult werden, um dem Trainer Alternativen zu bieten. Besonders die Belastung der letzten Wochen und die Häufung neuer Verletzungen in der Defensive zeigen einmal mehr, dass der Kader für eine Saison mit Bundesliga, Europa League und der ein oder anderen Runde im DFB-Pokal nicht gemacht ist. Neben der fehlenden quantitativen Tiefe, scheint die zweite Reihe auch qualitativ im Vergleich zu den ersten 13 bis 14 Spielern deutlich abzufallen. Bis zum 05. Oktober haben Schmadtke und Schäfer noch Zeit nachzujustieren. Sicherlich hängt die personelle Planung auch vom Ausgang der Partie gegen AEK ab; man kann nur hoffen, dass im Hintergrund bereits für beide möglichen Resultate gearbeitet wird.

So viel zur strategischen Ausrichtung des Kaders, back to business: sicher ausfallen für das Spiel in Athen wird Joao Victor, der Brasilianer laboriert an einer Muskelverletzung aus dem Spiel gegen Freiburg. Auch hinter Stürmer Wout Weghorst stand lange Zeit ein Fragezeichen, letztlich trat der Niederländer die Reise mit an und scheint zumindest eine Option für die erste Elf zu sein. Im Vergleich zum Spiel im Breisgau dürfte Maxcence Lacroix wieder in der Innenverteidigung auflaufen, zudem sind Xaver Schlager und Admir Mehmedi Kandidaten für das Mittelfeld. Auf Außen dürften Josip Brekalo und Renato Steffen gesetzt sein, sofern hinten rechts nicht entweder Felix Klaus oder Jerome Rousillion zum Einsatz kommen, dann ist der „Alpen-Messi“ Steffen auch ein Anwärter für den Posten hinten rechts. Im Tor stellt sich die Frage, ob Koen Casteels seine Knieprobleme auskuriert hat oder ob Ersatzmann Pavao Pervan den Belgier erneut vertreten muss erst gar nicht, da der Belgier die Reise nach Athen nicht mit antrat. 

Für Trainer Oliver Glasner, aber auch für Breite und Qualität des Kaders, wird Athen zum ersten richtigen Gradmesser der noch jungen Saison, für den die Wölfe hoffentlich rechtzeitig auf Betriebstemperatur kommen. yk

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